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Blick in die Praxis 2018

Herausforderungen der KMU

Martin Bopp, Geschäftsführer des Hightech Zentrums Aargau

Herr Bopp, was ist das HTZ?

Das Hightech Zentrum Aargau ist Anlaufstelle und Drehscheibe bei Innovationsfragen. Wir haben den Auftrag vom Kanton, Firmen im Aargau, insbesondere auch KMU, dabei zu unterstützen, Innovationen zu starten und voranzutreiben. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Nano- und Energietechnologien – wir betreuen aber auch alle anderen Technologien.

 

Wie gehen Sie in Ihrer Arbeit konkret vor?
Wir machen für KMU Innovationsanalysen. Wir schauen, welches ihre Bedürfnisse sind und entwickeln zusammen mit den KMU neue Lösungsansätze. Oft suchen wir auch den besten Partner für ein Unternehmen, sei es eine Hochschule oder einen Industriepartner, der über Wissen im gesuchten Bereich verfügt und die Firma optimal unterstützen kann.

 

Was können Sie den Unternehmen bieten?

Wir unterstützen die KMU mit dem Wissen unserer qualifizierten Fachleute. Sie verfügen über einen breiten Hintergrund als Ingenieure oder Naturwissenschaftler und über eine langjährige Industrieerfahrung in leitenden Positionen. Wir sehen uns auch als Mittler und Übersetzer zwischen KMU und den Hochschulen. Im Weiteren helfen wir den Unternehmen, Fördermittel zu erhalten, um Projekte mit Hochschulen zu finanzieren. Kleinere Studien, die Hochschulen für Unternehmen durchführen, können wir via unserem Instrument der «Machbarkeitsstudie» selbst finanzieren.

 

Was kostet Ihre Dienstleistung?

Die ersten Beratungstage sind für Unternehmen aus dem Kanton Aargau kostenlos. Für eine zweite Anfrage, bzw. ein zweites Projekt, ist dann eine Kostenbeteiligung des Unternehmens nötig. Aber die Kosten sind auch dann noch moderat.

 

Können Sie ein besonders interessantes Projekt beschreiben?

Die Algra Group mit 110 Beschäftigten fertigt und bearbeitet Schilder, Fronten, Gehäuse und Eingabesysteme. Um die Effizienz einer bestimmten Produktion von Blechschildern zu erhöhen, regte das Hightech Zentrum Aargau eine von uns finanzierte Machbarkeitsstudie an. In diesem Fall wertete die Fachhochschule Nordwestschweiz Daten zum Ressourceneinsatz (sog. Enterprise-Ressource-Planning-Daten) aus. So gelang es, die Flaschenhälse im Produktionsprozess zu identifizieren und Massnahmen einzuleiten, welche die Durchlaufzeit halbierten und den Umsatz pro Mitarbeitenden verdoppelten.

 

In welchen Bereichen sehen Sie Chancen für Schweizer KMU, sich gegen internationale Konkurrenz behaupten zu können, trotz der hohen Kosten in der Schweiz?

Viele dieser Unternehmen setzen bewusst auf Innovation. Ihre Produkte oder Dienstleistungen sind der Konkurrenz immer einen Schritt voraus. Sie machen den höheren Preis durch höhere Qualität oder bessere Funktionalität wett. Ein gutes Beispiel ist die Birchmeier Sprühtechnik AG aus Stetten. Sie produziert eine breite Palette von einfachen Handspritzgeräten bis zu akkubetriebenen Hightech Lösungen in der Schweiz und exportiert diese in die ganze Welt. Sie ist dazu in der Lage, weil sie mit Qualität, Modularität, Flexibilität und Service punkten kann.

 

Welche Expertise / Fachkompetenz ist in der Schweiz im internationalen Vergleich in besonderem Mass oder besonders guter Qualität vorhanden?

Die Schweiz verfügt dank unserem dualen Berufsbildungssystem über einen Pool von sehr hoch qualifizierten Berufsleuten. Unsere KMU aber auch Grossfirmen sind damit in der Lage, komplexe Produktionsprozesse mit einer hohen Flexibilität im Griff zu haben. Das sind Wettbewerbsvorteile, welche die Auslagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland verhindern und zum Teil sogar dazu führen, dass diese wieder in die Schweiz geholt werden.

 

Sie arbeiten mit Hunderten von KMU. Ist Fachkräftemangel Ihrer Erfahrung nach ein Problem für KMU?

Ja, das hören wir immer wieder. Es ist aber von Branche zu Branche sehr unterschiedlich. Gesucht werden vor allem Fachleute im technischen Bereich. Der Fachkräftemangel manifestiert sich auch nicht in allen Firmen gleich. Er ist abhängig von der Firmengrösse, der Führungskultur, der Attraktivität des Produkteportfolios und von den Entwicklungsperspektiven, die den Mitarbeitenden offeriert werden.

 

Welche Fachleute sind heute generell schwer zu finden?

In der Heizungs- und Klimatechnik sowie in der Baubranche mangelt es vor allem an qualifizierten Facharbeitern, in Industrie und Dienstleistung fehlen Informatiker und Projektleiter. Generell mangelt es an Fachwissen, um die Digitalisierung voranzutreiben.

 

Was tun Firmen, wenn Stellen nicht besetzt werden können?

Der Suchradius wird auch ins Ausland erweitert. Kurzfristig werden die unbesetzten Stellen mit Überzeit kompensiert. Langfristig können bestehende Marktchancen nicht genutzt werden, das Wachstum wird verlangsamt.

 

B,S,S. hat für das HTZ im Rahmen einer Evaluation eine Kundenbefragung durchgeführt. Was haben Sie daraus gelernt?

Als Institution mit einem Leistungsauftrag der öffentlichen Hand stehen wir natürlich immer auch im politischen Rampenlicht. Die Wirkungsmessung ist darum ein Dauerthema. Gerade weil es kaum möglich ist, hier eine exakte Zahl zu berechnen, sind qualitative Aussagen sehr wichtig. Dazu gehört auch das Feedback der Kunden. Die anonyme externe Befragung der Kunden durch B,S,S. hat einen wichtigen Beitrag zur Belastbarkeit und Glaubwürdigkeit der Evaluationsergebnisse geleistet.

«Fachleute braucht es z.B. im Bereich der Kundenkommunikation, das sind Hybridthemen zwischen Technologie und Mensch.»

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