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Fachkräftemangel auf leicht höherem Niveau als im Vorquartal

Fachkräftemangel auf leicht höheren Niveau als im Vorquartal

Der BSS-Fachkräfteindex lag im zweiten Quartal 2026 mit 120 Punkten um rund zwei Punkte höher als im Vorquartal. Der Abwärtstrend setzt sich somit nicht fort.

Präsentiert von:

Fachkräfteindex Gesamtwirtschaft, Entwicklung über die Zeit

Die Berechnung des Fachkräfteindex erfolgt ab dem Jahr 2024 quartalsweise.

Fachkräfteindex Branchen

Fachkräfteindex Regionen

Fachkräfteindex Gesamtwirtschaft, Entwicklung über die Zeit

Fachkräfteindex nach Branchen

Fachkräfteindex nach Regionen

Hinweis: Auf der Desktopversion dieser Webseite finden Sie zudem interaktive Grafiken mit einem erweiterten Detailgrad.

Im Vergleich zum Vorquartal ist eine Abnahme der Arbeitslosenquote und eine Zunahme der Zuwanderungsquote zu beobachten. Diese Entwicklungen bewirken eine Zunahme des FKI. Einzig die Entwicklung der Quote der offenen Stellen (Rückgang) deutet auf eine weniger angespannte Fachkräftesituation hin. Die Entwicklung der anderen zwei Indikatoren (Arbeitslosigkeit und Zuwanderung) dominiert aber. Die Fachkräftesituation hat sich gemäss Fachkräfteindex nicht in allen Branchen gleich entwickelt: Der FKI ist im Bau- und Gastgewerbe um je rund zehn Punkte angestiegen. Demgegenüber ist der Index bei «Erziehung/Unterricht» und den «Freiberufliche Tätigkeiten» um vier bzw. drei Punkte gesunken. Regionale Perspektive: Der FKI ist in zehn der elf betrachteten Regionen angestiegen (Ausnahme: leichte Abnahme für VD, FR). Besonders ausgeprägt ist die Zunahme in den Regionen Graubünden (plus neun Punkte) und im Tessin (plus acht Punkte).

Der Index setzt sich aus vier Indikatoren (Deckungsgrad, Zuwanderungsquote, Arbeitslosenquote, Quote der offenen Stellen) zusammen und ist so definiert, dass ein Wert von 100 die gesamtwirtschaftliche Fachkräftesituation im Jahr 2010 aufzeigt. Je höher der Wert, desto grösser ist der Fachkräftemangel.

 

 

 

Weitere Informationen zum Index finden Sie auf:

www.bss-basel.ch/fachkräfteindex

Einblicke

Erkenntnisse aus der Arbeitsmarktforschung

Wie verändert KI die ICT-Berufe?

Interview mit Marc Marthaler

Seit vielen Jahren ist die ICT-Branche die Branche mit dem höchsten Fachkräftemangel. Nun liest man von vielen Entlassungen von IT-Fachleuten. Kippt die Situation von einem Fachkräftemangel zu einem Mangel an Arbeitsplätzen?

Berechtigte Frage. Aber nein, von einem grundsätzlichen Kippen der Arbeitsmarktsituation würde ich nicht sprechen. Einzelne grosse Technologieunternehmen haben in den vergangenen Jahren Stellen abgebaut. Teils wegen einer Korrektur nach dem starken Einstellungsboom, teils wegen Restrukturierungen und veränderter Geschäftsmodelle. Das kann regional und für bestimmte Profile spürbar sein. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass der Schweizer Arbeitsmarkt insgesamt auf viele der ICT-Skills angewiesen ist, wie z. B. Cloud-Computing, Softwareentwicklung, Systemintegration, digitale Prozesse und natürlich Cyber-Security. KI wird Tätigkeiten verändern und Produktivität erhöhen, aber sie schafft ebenfalls neue Aufgaben und Qualitätsansprüche. Der strukturelle Fachkräftemangel, den wir seit Jahren mit unserer Bedarfsprognose «ICT-Fachkräftesituation» belegen, bleibt bestehen. Es ist eher eine Umverteilung der Kompetenzprofile als ein Wegfall von Arbeitsplätzen.

«Cyber Security ist längst nicht mehr nur Sache einer spezialisierten Sicherheitsabteilung.»

Was ändert KI für ICT-Fachleute?

KI verändert die Art, wie gearbeitet wird, grundlegend. Es geht nicht mehr nur um technisches Wissen, sondern zunehmend um transversale Kompetenzen. Das heisst z. B. das kritische Hinterfragen von KI-Outputs, professioneller Umgang mit Unsicherheiten und Verantwortungsbewusstsein im Einsatz dieser Systeme. ICT-Fachkräfte müssen verstehen, wie diese Systeme arbeiten, um sie sinnvoll und verantwortungsvoll einzusetzen. Themen wie Transparenz, Nachvollziehbarkeit und der Umgang mit Verzerrungen gewinnen enorm an Bedeutung, neben Datenschutz und Sicherheit.

Marc Marthaler

Nach dem Lehrerpatent hat Marc Marthaler Sport an der Universität Bern studiert. Nach sechs Jahren als Coach im Berufsbildungsumfeld arbeitete er vier Jahre als Dozent und Projektleiter an der Pädagogischen Hochschule FHNW. Ab 2016 leitete er acht Jahre die Berufsbildung von Swisscom. In dieser Zeit war er während über zwei Jahren Co-Vizepräsident von ICT-Berufsbildung Schweiz. Seit dem November 2024 ist er Geschäftsführer von ICT-Berufsbildung Schweiz. Er hat je einen MAS-Abschluss in Supervision & Organisationsberatung sowie Human Capital Management.

Die Cyberrisiken werden immer grösser, auch wegen KI. Was heisst das für ICT-Fachkräfte? Werden immer mehr Fachleute benötigt, um diese Risiken zu adressieren?

Ja, das würde ich grundsätzlich so unterschreiben. Noch wichtiger ist: Cyber Security ist längst nicht mehr nur Sache einer spezialisierten Sicherheitsabteilung. Jede ICT-Fachkraft muss grundlegende Schutzprinzipien beherrschen. Und ja, Cyber Security ist mittlerweile eines der am schnellsten wachsenden Felder innerhalb der ICT-Berufe. Kritische Infrastrukturen, KMU und öffentliche Institutionen sind gleichermassen gefordert, sich gegen zunehmend raffiniertere Angriffe zu wappnen. Das erfordert nicht nur mehr Fachleute, sondern auch neue Kompetenzprofile, von proaktiver Bedrohungserkennung bis zur Sensibilisierung der Mitarbeitenden. Eine nachhaltige Sicherheitskultur entsteht nicht allein durch Technik, sondern vor allem durch gut ausgebildete Menschen, die diese Systeme verstehen, betreuen und weiterentwickeln.

 

Aber auch das lässt sich mit entsprechenden Programmen heute automatisieren, oder?

Tatsächlich, es gibt spannende Programme. Diese Programme verschicken den Mitarbeitenden sogenannte Phishing-Mails. Die Mitarbeitenden müssen die Mails erkennen und melden. Ich bin Fan von solchen Programmen, weil sie zur wichtigen Sensibilisierung beitragen. Aber schlussendlich müssen auch diese Programme von Menschen entwickelt werden. Und wenn dann ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin tatsächlich ein paar Mal auf ein «Phishing-Mail» draufklickt, dann muss eine qualifizierte Person das Gespräch suchen.

 

Ihr betreut ICT-Berufe der beruflichen Ausbildung. Wo arbeiten die meisten jungen Leute, die eine ICT-Lehre gemacht haben? Was sind ihre Aufgaben?

Über 60 % der ICT-Fachkräfte sind nicht in der klassischen ICT-Branche tätig. Nebst klassischen ICT-Dienstleistern arbeiten sie in Banken, Versicherungen, Industriebetrieben bis hin zur öffentlichen Verwaltung. Praktisch jedes Unternehmen benötigt heute ICT-Fachkräfte. Die Aufgaben reichen von Softwareentwicklung über Systemtechnik bis zu Support und Infrastruktur.

«Cyber Security ist längst nicht mehr nur Sache einer spezialisierten Sicherheitsabteilung.»

Was ändert KI für ICT-Fachleute?

KI verändert die Art, wie gearbeitet wird, grundlegend. Es geht nicht mehr nur um technisches Wissen, sondern zunehmend um transversale Kompetenzen. Das heisst z. B. das kritische Hinterfragen von KI-Outputs, professioneller Umgang mit Unsicherheiten und Verantwortungsbewusstsein im Einsatz dieser Systeme. ICT-Fachkräfte müssen verstehen, wie diese Systeme arbeiten, um sie sinnvoll und verantwortungsvoll einzusetzen. Themen wie Transparenz, Nachvollziehbarkeit und der Umgang mit Verzerrungen gewinnen enorm an Bedeutung, neben Datenschutz und Sicherheit.

 

Die Cyberrisiken werden immer grösser, auch wegen KI. Was heisst das für ICT-Fachkräfte? Werden immer mehr Fachleute benötigt, um diese Risiken zu adressieren?

Ja, das würde ich grundsätzlich so unterschreiben. Noch wichtiger ist: Cyber Security ist längst nicht mehr nur Sache einer spezialisierten Sicherheitsabteilung. Jede ICT-Fachkraft muss grundlegende Schutzprinzipien beherrschen. Und ja, Cyber Security ist mittlerweile eines der am schnellsten wachsenden Felder innerhalb der ICT-Berufe. Kritische Infrastrukturen, KMU und öffentliche Institutionen sind gleichermassen gefordert, sich gegen zunehmend raffiniertere Angriffe zu wappnen. Das erfordert nicht nur mehr Fachleute, sondern auch neue Kompetenzprofile, von proaktiver Bedrohungserkennung bis zur Sensibilisierung der Mitarbeitenden. Eine nachhaltige Sicherheitskultur entsteht nicht allein durch Technik, sondern vor allem durch gut ausgebildete Menschen, die diese Systeme verstehen, betreuen und weiterentwickeln.

 

Aber auch das lässt sich mit entsprechenden Programmen heute automatisieren, oder?

Tatsächlich, es gibt spannende Programme. Diese Programme verschicken den Mitarbeitenden sogenannte Phishing-Mails. Die Mitarbeitenden müssen die Mails erkennen und melden. Ich bin Fan von solchen Programmen, weil sie zur wichtigen Sensibilisierung beitragen. Aber schlussendlich müssen auch diese Programme von Menschen entwickelt werden. Und wenn dann ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin tatsächlich ein paar Mal auf ein «Phishing-Mail» draufklickt, dann muss eine qualifizierte Person das Gespräch suchen.

 

Ihr betreut ICT-Berufe der beruflichen Ausbildung. Wo arbeiten die meisten jungen Leute, die eine ICT-Lehre gemacht haben? Was sind ihre Aufgaben?

Über 60 % der ICT-Fachkräfte sind nicht in der klassischen ICT-Branche tätig. Nebst klassischen ICT-Dienstleistern arbeiten sie in Banken, Versicherungen, Industriebetrieben bis hin zur öffentlichen Verwaltung. Praktisch jedes Unternehmen benötigt heute ICT-Fachkräfte. Die Aufgaben reichen von Softwareentwicklung über Systemtechnik bis zu Support und Infrastruktur.

«Es braucht zunehmend auch die sogenannten Human-Centric-Skills, wie z. B. kritisches Denken, Reflexionsfähigkeit, Urteilsvermögen oder kreatives Problemlösen.»

Und was tun sie während der ICT-Ausbildung?

Die Inhalte einer Lehre sind relativ klar vorgegeben durch die Bildungsverordnung und den Bildungsplan. Wichtig scheint mir immer das Verständnis: Lernende sind nicht einfach «billige Arbeitskräfte», sie übernehmen von Anfang an echte, wichtige Aufgaben im Betrieb und sind ein zentraler Teil der betrieblichen Wertschöpfung. Genau darin liegt auch die Stärke, der Reiz und die Verantwortung der dualen Berufsbildung.

 

Was sind die Anforderungen an junge Leute, die diese Berufe ergreifen möchten?

Neben einem gewissen technischen Grundinteresse und analytischem Denken braucht es zunehmend auch die sogenannten Human-Centric-Skills, wie z. B. kritisches Denken, Reflexionsfähigkeit, Urteilsvermögen oder kreatives Problemlösen. Es ist eben nicht nur die Frage, ob man ein KI-System bedienen kann, sondern wie gut man es einsetzt, kritisch hinterfragt und im jeweiligen Kontext sinnvoll einordnet. Und selbstverständlich braucht es auch Ausdauer, Persistenz und kontinuierliches, lebenslanges Lernen; das wird immer wichtiger.

«Wir müssen jungen Leuten frühzeitig die Chancen dieser Berufe aufzeigen und sie dafür begeistern.»

Finden sich genügend junge Leute, die den Anforderungen genügen?

Es gibt viele interessierte Jugendliche, aber die Situation ist nicht in allen Regionen, Berufen und Betrieben gleich. Ein Teil der Talente kennt die Möglichkeiten der ICT-Lehre aber noch zu wenig oder verbindet Informatik ausschliesslich mit Programmieren. Wir müssen jungen Leuten frühzeitig die Chancen dieser Berufe aufzeigen und sie dafür begeistern. Es ist viel mehr, als den ganzen Tag am PC zu sitzen. Das ist eine der zentralen Herausforderungen, auf die wir mit unseren Studien seit Jahren hinweisen. Es braucht also mehr junge Menschen, die den Schritt in eine ICT-Lehre tatsächlich wagen; insbesondere auch bei jungen Frauen.

 

Muss die Berufsausbildung wegen KI angepasst werden? Müssen neue Skills erlernt werden? Müssen gewisse Dinge nicht mehr erlernt werden?

Absolut, die Ausbildung muss sich weiterentwickeln und den sich verändernden Anforderungen anpassen. Wichtig ist dabei, nicht jedem kurzfristigen Tool-Trend hinterherzulaufen. Kompetenzen wie der kritische, reflektierte Umgang mit KI-Tools, das Erkennen von Limitationen und auch ethischen Fragestellungen rund um Verzerrungen und Verantwortung gehören klar dazu. Ebenso wichtig bleiben Problemlösung, Kommunikation, Teamarbeit. Lernende müssen verstehen, wie ein Ergebnis zustande kommt, wie man es testet und wann man ihm nicht vertrauen darf. Nicht sinnvoll wäre, Grundlagen einfach zu streichen, nur weil eine KI einzelne Arbeitsschritte automatisiert. Ein Verständnis über Algorithmen, Datenstrukturen, Netzwerke, Betriebssysteme, Softwarequalität und systematisches Denken bleibt nötig, um Lösungen zu beurteilen und Fehler zu finden.

«Nicht sinnvoll wäre, Grundlagen einfach zu streichen, nur weil eine KI einzelne Arbeitsschritte automatisiert.»

KI entwickelt sich rasant. Inhalte von Lehrberufen hingegen können nicht so rasch angepasst werden. Wie geht Ihr damit um?

Das ist eine echte Herausforderung. Formale Bildungspläne haben naturgemäss einen längeren Anpassungszyklus als die technologische Entwicklung. Wir setzen deshalb auf ein modulares Modell in den ICT-Grundbildungen, das uns erlaubt, flexibler auf neue Entwicklungen zu reagieren, ohne die gesamte Ausbildungsstruktur jedes Mal neu aufsetzen zu müssen. Wir versuchen auch mit (Pilot-)Projekten schneller zu werden und praxisnahe Antworten zu erarbeiten, bevor formale Lehrplananpassungen überhaupt greifen können. Die Halbwertszeit von ICT-Fachwissen ist gemäss unterschiedlichen Studien ca. 2.5 Jahre. Aktuell wird alle 5 Jahre eine Revision vom Berufsbild gemacht. Das ist viel zu lang. 5 Jahre, das ist in der ICT eine kleine Ewigkeit. Da müssen wir grundlegend neue Wege finden, viel schneller zu reagieren. Wichtig ist uns dabei immer: Der Umgang mit KI in der Lehre darf nicht bedeuten, dass Lernende ihre Arbeiten einfach der KI übergeben. Genau das wäre der falsche Weg. Die Kompetenz, die es braucht, entsteht durch die aktive Auseinandersetzung mit der Aufgabe – nicht durch das Delegieren an ein System.

«5 Jahre, das ist in der ICT eine kleine Ewigkeit. Da müssen wir grundlegend neue Wege finden, viel schneller zu reagieren.»

Wie siehst Du die Zukunft der ICT-Lehre? Braucht es künftig eher mehr oder weniger junge Leute, die diese Ausbildung machen?

Es braucht klar mehr, nicht weniger. Unsere Bedarfsprognose aus dem letzten Jahr zeigt, dass es bis im Jahr 2033 über 54’000 zusätzliche ICT-Fachkräfte benötigt! Und in den vergangenen 15 Jahren haben sich unsere Prognosen nie als übertrieben herausgestellt; im Gegenteil. Die Zahl ist kontinuierlich gestiegen! Ich bin mir sehr sicher, dass die ICT-Lehren langfristig an Bedeutung gewinnen. Digitalisierung findet nicht nur in der Technologiebranche statt, sondern in Verwaltung, Industrie, Medizin, Bildung, Energie und praktisch in allen Dienstleistungssektoren. Die Frage lautet daher aus meiner Sicht nicht nur «mehr oder weniger», sondern auch: Welche Profile, welche Qualität und welche Weiterentwicklung brauchen wir?

 

Finden sich genügend Lehrbetriebe, die die Berufe ausbilden?

Diese Frage treibt uns gerade sehr stark um. Es gilt festzuhalten, dass die Situation je nach Beruf und auch in den Kantonen unterschiedlich ist. Allgemein spüren wir aber leider eine klare Tendenz, dass Betriebe weniger oder im schlimmsten Falle gar keine Lernenden mehr einstellen. Einige Unternehmen sind sich schlichtweg nicht bewusst, welchen Mehrwert die Ausbildung von Lernenden langfristig bringt; sowohl für den eigenen Fachkräftenachwuchs als auch für die Innovationskraft des Betriebs. Als Gründe werden vor allem fehlende Zeit für Betreuung oder die Unsicherheit mit KI genannt. Ich habe schon mehr als einmal gehört, dass die (ehemaligen) Arbeiten der Lernenden nun durch KI übernommen werden. Dieses Verständnis ist aus meiner Sicht schlicht falsch und für die Zukunft auch gefährlich. Lernende sollen bei den KI-integrierten Arbeiten von Beginn weg mitgenommen werden. Ohne Juniors keine Seniors!

«Ohne Juniors keine Seniors!»

Wie überzeugt Ihr Unternehmen, IT-Fachleute auszubilden? 

Mein grösstes Ziel ist es, dass wir Unternehmen nicht «überzeugen» müssen, sondern sie den konkreten Nutzen für den eigenen Betrieb erkennen. Ja, eine Lehre ist zunächst eine finanzielle Investition. Das ist so. Wir versuchen aufzuzeigen, dass die Ausbildung von Lernenden auch eine Investition in die eigene Zukunftsfähigkeit ist. Lernende bringen frische Perspektiven, digitale Affinität und – wenn richtig begleitet – wertvolle neue Kompetenzen ins Unternehmen. Gerade im Zeitalter der KI ist es entscheidend, dass Unternehmen nicht den Fehler machen, Ausbildungsverantwortung durch den Einsatz von KI-Tools zu ersetzen. Lernende müssen echte Aufgaben lösen dürfen, eigenständig Fehler machen und daraus lernen können. Nur so entsteht die notwendige Handlungskompetenz, die spätere Fachkräfte auszeichnet.

 

ICT-Berufsbildung Schweiz macht seit vielen Jahren mit Studien auf den Fachkräftemangel in der Branche aufmerksam. Hilft das etwas?

Studien allein schaffen keine Lehrstellen und bilden auch keine Fachkräfte aus. Studien sind aber wichtig, weil sie eine professionelle – und für viele Stakeholder relevante – Faktenbasis liefern. Ohne verlässliche Daten bleibt die Diskussion schnell bei Einzelbeobachtungen oder kurzfristigen Schlagzeilen stehen. Es hilft, das Bewusstsein in Politik, Wirtschaft und Bildungswesen wachzuhalten. Ohne diese kontinuierliche Sensibilisierung würde das Thema schnell wieder von anderen aktuellen Debatten überlagert. Unsere Aufgabe als nationaler Verband ist es dabei, konkrete Fakten zu liefern, die als Grundlage für politische und unternehmerische Entscheidungen dienen – und diese Aufgabe wird angesichts der raschen technologischen Veränderungen künftig noch wichtiger.

«Unsere Aufgabe als nationaler Verband ist es dabei, konkrete Fakten zu liefern, die als Grundlage für politische und unternehmerische Entscheidungen dienen.»

Wie empfindet Ihr die Zusammenarbeit mit BSS?

Wir sind darauf angewiesen, mit so einer Partnerschaft fundierte, wissenschaftlich abgestützte Grundlagen zu erarbeiten, auf deren Basis wir unsere Studien und Positionen zum Fachkräftemangel und zur Weiterentwicklung der ICT-Berufsbildung entwickeln können. Ich habe die bisherige Zusammenarbeit mit BSS ausgesprochen professionell, wertvoll und konstruktiv empfunden.

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