Haben Banken auch Fachkräftemangel?
David Frey, Leiter Kommunikation und Politik bei Arbeitgeber Banken
Der Schweizer Bankensektor hat turbulente Zeiten hinter sich. Wie geht es den Mitarbeitenden der Banken?
Das musst Du die Gewerkschaften fragen (lacht). Aber im Ernst: Das ist wirklich nicht ganz einfach zu beantworten. Die Situation ist für die Mitarbeitenden je nach Arbeitgeberin und Position natürlich unterschiedlich. Im Grossen und Ganzen geht es den Bankmitarbeitenden in der Schweiz aber sicher nicht schlecht. Bisher gab es auch noch keine grosse Kündigungswelle im Zusammenhang mit der Fusion von CS und UBS, die massiv auf den Arbeitsmarkt durchgeschlagen hätte.
«Wir möchten die Leute fit machen für die Zukunft.»
Wir kommen auf die Situation der UBS gleich noch einmal zurück. Aber lass uns zuerst über Fachkräftemangel sprechen. Gibt es bei Banken auch Fachkräftemangel? Banken sind, so jedenfalls die öffentliche Wahrnehmung, attraktive Arbeitgeber und zahlen sehr gute Löhne.
Ja, das stimmt: Banken sind gute Arbeitgeber. Und die Arbeit ist interessant! Aber es gibt auch in der Bankbranche einen Fachkräftemangel. Vor allem im IT-Bereich sowie in spezialisierten Stabsstellen wie zum Beispiel Legal und Compliance. Im Backoffice wird eher abgebaut.
David Frey ist Leiter Kommunikation und Politik bei Arbeitgeber Banken. Zudem ist er seit zwei Jahren Geschäftsführer des Verbands Schweizerischer Holding- und Finanzgesellschaften. Vor diesen Positionen war er Generalsekretär und Leiter Kommunikation des Justiz- und Sicherheitsdepartements des Kantons Basel-Stadt und Leiter Kommunikation und PR beim Gewerbeverband in Basel-Stadt. David Frey hat an der Universität Basel Geschichte und Medienwissenschaften studiert und lebt mit seiner Familie in Basel.
Der Abbau von Arbeitsplätzen im Backoffice: Ist das auf die Digitalisierung und die neuen Möglichkeiten, die sich durch den Einsatz künstlicher Intelligenz eröffnen, zurückzuführen?
Ja, genau. Man geht davon aus, dass im Backoffice am meisten mit Automatisierung und Digitalisierung machbar ist. Wir haben daher mit «skillaware» ein Programm aufgegleist, um unter anderem die Arbeitsmarktfähigkeit der dort tätigen Mitarbeitenden zu erhalten. Wir möchten die Leute fit machen für die Zukunft. Soweit möglich sollen sie in der Branche bleiben können. Es gibt aber auch Umschulungs-Projekte mit dem Ziel eines Branchenwechsels. Zum Beispiel die «MEM-Passerelle»: In der MEM-Branche sind häufig genau die Kompetenzen gesucht, die Mitarbeitende aus dem Banking Operations mitbringen. Solche Umschulungen sind aber noch «zaghafte Pflänzchen». Spannend ist aus meiner Sicht auch: Welche Stellen «frisst» die künstliche Intelligenz? Da gibt es viele verschiedene Szenarien. Klar scheint aber, dass das Wissensgebiet gefährdeter ist als handwerkliche und körperliche Arbeit.
Wie sieht die künftige Fachkräftesituation bei Euch aus?
Entscheidend wird sein, wie die Branche die Kündigungen, die jetzt dann kommen sollen, absorbieren kann. Wir werden das mit Interesse beobachten. In einem Jahr kann man vermutlich mehr dazu sagen.
Du sprichst von möglichen Kündigungen. Es ist ja doch zu befürchten, dass durch die Integration von CS und UBS Arbeitsplätze wegfallen. Junge Mitarbeitende werden vermutlich wieder eine neue Stelle finden können. Was aber machen ältere Bankmitarbeitende, die ihren Arbeitsplatz verlieren?
Es ist selbstverständlich nie einfach, wenn ältere Arbeitnehmende die Stelle verlieren. Im Zusammenhang mit der Fusion von CS und UBS müssen wir aber auch festhalten: Die UBS hat einen Sozialplan vorgelegt, wie es ihn in der Schweiz noch nie gegeben hat. Entlassene Mitarbeitende bekommen Zeit und Geld, um Lösungen zu finden.
«Es gibt aber selbstverständlich verschiedene Wege in die Bankbranche […] Das Fundament bildet aber nach wie vor die Banklehre.»
Wir haben jetzt davon gesprochen, dass Bankmitarbeitende ihre Stelle verlieren könnten. Insgesamt aber legen unsere Prognosen nahe, dass sich der Fachkräftemangel in den kommenden Jahren über alle Branchen hinweg verschärfen wird. Der Treiber ist hier der demografische Wandel: Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente und es rücken weniger junge Leute nach. Wie ist denn die Altersstruktur in der Bankbranche?
Auch in unserer Branche kommen viele Pensionierungen auf uns zu. Diese gilt es zu absorbieren. Deshalb müssen die Banken sicherstellen, auch weiterhin attraktive Arbeitgeber zu sein. Das ist aber natürlich nicht nur ein bankenspezifisches Thema.
Wie gescheit ist es, in dieser Situation älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu kündigen?
Es ist heute in der Tat so, dass Bankmitarbeitende häufig vor 65 in Rente gehen – freiwillig oder auch ungewollt. Und ja: Wir sind der Meinung, dass da ein Umdenken stattfinden muss. Das sind klassische Themen, zu denen wir unsere Mitglieder sensibilisieren, mit Webinaren zum Beispiel.
Und wie wirbt die Branche auf dem Arbeitsmarkt um junge Leute?
Diese Frage stellen sich zurzeit viele Institute. Bei diesem Thema geht es schliesslich um die Zukunft der Banken! Employer Branding ist ein zentrales Businessthema. Der Kampf um die Talente ist in vollem Gange. Jeder muss zeigen, dass es interessant ist, bei ihm zu arbeiten
Was motiviert junge Menschen, in die Bankbranche zu gehen?
Die Banken sind eine attraktive Branche und attraktive Arbeitgeber. Die Banken sind das Rückgrat der Wirtschaft. Wer in dieser Branche arbeitet, hat interessante Entwicklungsmöglichkeiten. Auch den Kontakt mit Menschen, z.B. in der Beratung, schätzen viele Bankmitarbeitende.
Wenn Jugendliche in die Bankbranche einsteigen möchten, was ist da der beste Weg?
Die Banklehre ist ein hervorragendes Fundament. Es gibt aber selbstverständlich verschiedene Wege in die Bankbranche: der Berufseinstieg für Mittelschulabsolventen (BEM), die Wirtschaftsmittelschule (WMS), ein Fachhochschulabschluss oder ein Studium an einer Universität. Es gibt viele Wege in die Bankbranche. Das Fundament bildet aber nach wie vor die Banklehre.
«Die Zusammenarbeit mit BSS ist ausgezeichnet! Euer Team geht hervorragend auf unsere Bedürfnisse ein. Wir sind sehr glücklich über die Zusammenarbeit.»
Vorletzte Frage: Was macht der Verband «Arbeitgeber Banken»?
Wir sind ein klassischer Arbeitgeberverband: Wir verhandeln Gesamtarbeitsverträge und stehen unseren Mitgliedern mit Rat und Tat zur Seite. Eine zentrale Aufgabe ist die Interessensvertretung der Banken auf politischer Ebene. Da geht es um Fragen wie die Finanzierung der 13. AHV-Rente oder die Abstimmung um die Revision der zweiten Säule. Wir bieten Best Practices zu verschiedenen relevanten Arbeitgeber-Themen an und führen Arbeitsrechtsseminare und Zertifikatskurse durch. Kompetenzentwicklung und Gesundheitsschutz sind weitere wichtige Themen, die wir im Rahmen der Sozialpartnerschaft in der Bankbranche bearbeiten.
«Die Zusammenarbeit mit BSS ist ausgezeichnet! Euer Team geht hervorragend auf unsere Bedürfnisse ein. Wir sind sehr glücklich über die Zusammenarbeit.»
Ihr habt bei BSS die Entwicklung eines branchenspezifischen Arbeitsmarktindex in Auftrag gegeben. Was bringt Euch dieser Index?
Der Arbeitsmarktindex ist für uns sehr wertvoll. Er zeigt, wie sich die Situation am Arbeitsmarkt entwickelt. Wertvoll ist auch, dass wir nicht nur den Index selbst erhalten, sondern auch die Werte der verschiedenen verwendeten Indikatoren wie die Beschäftigtenquote oder die Zahl offener Stellen pro arbeitslose Person. Diese Angaben haben wir dann jederzeit verfügbar, ohne grosse Suchaktionen. Das können wir klar und einfach zusammengefasst unseren Mitgliedern zur Verfügung stellen. Ergänzend möchte ich auch sagen: Die Zusammenarbeit mit BSS ist ausgezeichnet! Euer Team geht hervorragend auf unsere Bedürfnisse ein. Wir sind sehr glücklich über die Zusammenarbeit.



